Freilebende Stadttauben
Jeder kennt sie: die Stadttaube.
Von den einen Menschen, liebevoll gefüttert und von den anderen Menschen als „Ratten der Lüfte“ verunglimpft, lebt dieser Vogel in fast allen größeren Städten in der Nähe des Menschen.
Die Stadttaube ist ein interessanter Vogel. Sie ist ein verwildertes Haustier, denn die Stadttaube, die ursprünglich von der Felsentaube abstammt, wurde bereits 5000 v.Chr. als Haustier gehalten.
Verwilderte Haustauben folgten den Menschen in die Städte, wo sie gute Nistgelegenheiten in den Nischen der Häuser und den Stadtmauern fanden. Ihre Nahrungsquelle war das Getreide auf den Feldern. Diese Gemeinschaft zwischen Mensch und Taube blieb bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unverändert. Erst ab ungefähr 1950 vermehrte sich der Taubenbestand in den großen Städten Europas und der USA rasant.
Den Menschen ging es wirtschaftlich besser. Essensreste, die Menschen auf die Straße warfen, wurden eine neue Nahrungsquelle für die Tauben. Nach und nach verlagerten sie ihren Lebensraum vollständig in die Stadt.
Wie sieht eine tierschutzkonforme Lösung aus?
Zur langfristigen und tierschutzgerechten Regulierung von Stadttaubenschwärmen ist eine mehrgleisige Strategie nötig. Die Fütterung der Tauben sollte den Vögeln zuliebe nicht überall in der Stadt erfolgen. So sollten belebte Plätze in der Innenstadt sowie Wohnanlagen oder Plätze in der Nähe von Kliniken gemieden werden. Wichtig ist, dass den Tauben innerhalb von kontrollierten Taubenschlägen artgerechtes Futter von autorisierten Personen zur Verfügung gestellt wird.
In den Taubenschlägen oder –türmen müssen zuverlässige Helfer die gelegten Eier durch Gips-Eier ersetzten. Der Austausch der gelegten Eier ist wichtig, damit die Population nicht ansteigt. Mittlerweile liegen positive Erfahrungen aus mehreren Städten (z.B. Augsburg, Esslingen, Aachen) vor.
Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die Stadttaube ein tiergerechtes Leben in den Städten führen kann und dass sie als ein fester Bestandteil im Stadtbild akzeptiert und respektiert wird. Um dies zu erreichen, müssen wir einerseits die Bedürfnisse der Taube kennen und berücksichtigen, aber zum anderen müssen wir auch die Ängste, Vorurteile und Wünsche der Menschen in den Städten ernst nehmen und nach tragfähigen, tierschutzgerechten Kompromissen suchen. Um auf lange Sicht etwas zu erreichen, sollten städtespezifische Konzepte ausgearbeitet werden, in der, neben Vertretern des Tierschutzes, auch Vertreter der Gemeinde, des Veterinäramtes und des Umweltamtes integriert werden. Nur mit Geduld und kontinuierlicher Überzeugungsarbeit durch Tierschützer lassen sich die Behörden überzeugen.
Noch etwas: Stadttauben gefährden nicht die menschliche Gesundheit! Ihr habt vielleicht auch schon einmal Ausdrücke wie „Salmonellen-Bomber“ oder ähnliches gehört. Das stimmt einfach nicht, was eine aktuelle wissenschaftliche Studie mit Zahlen eindeutig belegt. In dieser Studie wurden alle seit den 40er Jahren bis zum Jahr 2004 beschriebenen Krankheitsfälle auf der ganzen Welt ausgewertet.
In fast 50 Jahren wurden nur 222 Krankheitsfälle beim Menschen beschrieben, die von durch Tauben verursacht. Die Übertragung von Salmonellen durch die als „Salmonellen-Bomber“ verunglimpfte Taube erfolgte in nur einem einzigen Fall. Das Vorurteil gegen die Stadttaube ist rein willkürlich und dient der Stimmungsmache gegen das Tier, da viele Menschen Angst vor Krankheiten haben. Es entbehrt aber jeder Realität!
Auszug aus www.jugendtierschutz.de

